Presseerklärung

Rückfall in dunkle Zeiten

Die BI Plantage, die sich in Ihrem Bestreben für eine bestmögliche und qualitativ hochwertige Wiedergewinnung der Plantage engagiert, sieht durch die neuen Pläne des OB zum Erhalt des Rechenzentrums die Erweiterung der Plantage gefährdet.

Mit großem Unverständnis beobachtet die BI-Plantage die Aufweichung der Beschlüsse der ersten demokratisch gewählten SVV, welche im Jahr 1990 die Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss beschlossen hat – einschließlich des durchgängig wasserführenden Stadtkanals, der Garnisonkirche, ohne Rechenzentrum und Rechnerhalle.

Dem OB sollte eigentlich bekannt sein, dass mit Rückübertragung des Kirchengrundstücks nach 1990, die Widmung verankert wurde, auf diesem Grundstück die vormalige Hof- und Garnisonkirche wieder aufzubauen. Wo sie war und wie sie war, also vollständig! Das bedeutet zwingend, sie in ihrer stadtkompositorischen und architektonischen wie auch baukünstlerischen Einmaligkeit als die schönste Barockkirche Norddeutschlands und als das größte Meisterwerk des Architekten Philipp Gerlachs wiedererstehen zu lassen.

Auf Grund dieser herausragenden Bedeutung hat die Bundesregierung in der Koalition aus SPD und CDU dieses Vorhaben zu einem Projekt von nationaler Bedeutung erklärt. Es sei daran erinnert, das sich führende SPD-Größen wie unter anderem Ministerpräsident Manfred Stolpe aktiv für die Kirche engagiert haben, ebenso der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), welcher sich als Schirmherr stark für den Wiederaufbau der Kirche einsetzt. Das dieses „Versöhnungsprojekt von nationaler Bedeutung“ jetzt von einem SPD-Oberbürgermeister mit seinem Wunsch nach einem Erhalt des DDR-Rechenzentrums torpediert wird, ist der bundesweiten Öffentlichkeit nicht zu vermitteln.

Es zeugt von einer erschreckenden Unsensibilität in Hinsicht auf die Unterdrückung der Christen und der Religionsfreiheit unter der DDR-Diktatur. Den heute so obsessiv und geradezu verstörend zwanghaft geforderten Bruch, den der OB und seine Befürworter zeigen wollen, diesen Bruch hat es schon vor siebzig Jahren gegeben!

Die Kirchengemeinde hat sich schon zu DDR- Zeiten (1950) in Heilig-Kreuz-Kirche umbenannt und hat bereits damals schon einen unzweifelhaften klaren Bruch mit der Vergangenheit vollzogen! An diesem Ort sollten nie wieder Militär und Kriege verherrlicht werden. Ganz im Gegensatz zur sozialistischen Diktatur, die gern im wiederbelebtem preussischem Stechschritt Ihr Militär aufmarschieren und Ihre Panzer und Raketen auffahren ließ und demonstrativ Ihre Kampflugzeuge glorifizierend auf dem Mosaik am Rechenzentrum zur Schau stellte.

Von 1950 an wurde gut zwanzig Jahre lang in der Heilig-Kreuz-Kapelle für den Frieden gebetet. Die Heilig-Kreuz-Kirche stand auf der Denkmalliste der DDR und wurde in der kirchenfeindlichen Atmosphäre des real existierenden Sozialismus 1968 enteignet und gesprengt.

Viele Gemeindemitglieder die dort bis zur Enteignung 1968 getauft und konfirmiert wurden und dort geheiratet haben, finden sich heute, im dreißigsten Jahr der Demokratie, in einem erneuten Albtraum aus Fremdbestimmung, Bevormundung und Entmündigung wieder. Diese offensichtlich bis heute anhaltende Kontinuität ist erschreckend.

Das Grundgesetz dieses demokratischen Staats schützt Minderheiten, es schützt Christen, es schützt das Selbstbestimmungerecht, es schützt das Eigentumsrecht und es schützt die Religionsfreiheit. Und damit schützt das Recht auch die freie Selbstbestimmung der Nagelkreuzgemeinde, wie ein Friedens- und Versöhnungszentrum in Ihrem Gotteshaus aussehen wird. 

Wir als BI Plantage und als Bürger unserer Stadt Potsdam unterstützen das unantastbare Selbstbestimmungsrecht der Nagelkreuzgemeinde für eine offene Kulturkirche in einer originalgetreuen Rekonstruktion des Meisterwerkes von Philipp Gerlach. Alles andere an diesem Ort wäre eine erneute Kulturbarberei.

BI Plantage

Ein Versöhnungszentrum für 100 Menschen?

Gedanken eines Urpotsdamers zum Wiederaufbau der Garnisonkirche

Bild von www.garnisonkirche-potsdam.de: Die zerstörte

Die zerstörte Garnisonkirche mit neuem Namen Heilig-Geist-Kirche, Bild von http://garnisonkirche-potsdam.de/fileadmin/user_upload/Website/Das_Projekt/Geschichte/35.jpg

Bjørn Franke ist in Potsdam geboren und aufgewachsen. Er ist hier zur Schule gegangen und lebt bis heute in seiner Geburtsstadt. Als Gastronom erfährt er viel, hört ungefiltert, was die Menschen bewegt, was sie denken und sagen. Sein Vater war Diakon im Landesjugendpfarramt mit Sitz in der Charlottenstraße. Gewohnt hat die Familie in der Nansenstraße. „Die Garnisonkirche hat zu Potsdam gehört, genau wie die Heiliggeistkirche“, sagt Bjørn Franke. Es waren Ruinen, doch es war so, dass der Drei-Kirchen-Blick in seiner Einmaligkeit dennoch zu erleben war und selbstverständlich zur Stadt gehörte. Es waren sogar vier Kirchen, die Bjørn Franke von Sanssouci aus sehen konnte: „Garnisonkirche, Heiliggeistkirche, Nikolaikirche und die Erlöserkirche konnte man von da aus sehen“, erinnert sich der 59-Jährige. „Die Garnisonkirche war eingerüstet, die Rüstung stammte wohl aus Schweden“, so erinnert er sich. Die Finanzierung für den Wiederaufbau sei gesichert gewesen, hieß es damals.

Bild von garnisonkirche-potsdam.de: nach dem mißlungenen Sprengversuch des Turms

nach dem mißlungenen Sprengversuch des Turms, Bild von: http://garnisonkirche-potsdam.de/fileadmin/_processed_/csm_024_821d327371.jpg

Doch dann kam die Sprengung 1968. „Die Sprengung  war für uns Kinder spannend, mein eineinhalb Jahre jüngerer Bruder und ich wollten unbedingt hin.“ Der Vater wollte nicht, dass die Jungs dort allein hingingen, er kam mit und begleitete seine Söhne bis zur Absperrung. „Die erste Sprengung hat ja nicht geklappt“, so Franke, der sich sehr eindringlich vor allem daran erinnert, dass massenweise Vögel aus der Ruine flogen. „Wie bei Hitchcock, das  war gespenstisch. So hat der damals elfjährige Potsdamer die Sprengung der Garnisonkirche erlebt. Später begriff er die geschichtlichen Zusammenhänge, den Tag von Potsdam, den man löschen wollte. „Das war wie der Tag von Potsdam selbst ein propagandistischer Missbrauch“, sagt er. Geschichte, gleichgültig ob positiv oder negativ bewertet, wird nicht durch Auslöschung eines Gebäudes getilgt. Zumal die Garnisonkirche einen völlig anderen Hintergrund hatte, als eine halbe Stunde oder auch 12 Jahre, so dunkel diese auch gewesen sind. „Der Ort wurde missbraucht, der Tag wurde missbraucht, das Gebäude wurde missbraucht.“ Bjørn Franke ist sicher, dass weder der Soldatenkönig, noch Friedrich II. oder andere Preußenkönige den „kleinen Anstreicher“ überhaupt empfangen hätten. „Der wäre an den preußischen König überhaupt nicht herangekommen.“

 

„Der Bildungsverantwortung, die der Staat hat, wird diese Geschichte nicht gerecht“, ist Bjørn Franke überzeugt. Ein wichtiger Grund für ihn, die Kirche wieder aufzubauen und sich mit der Geschichte wirklich auseinanderzusetzen. „Eine ganze Nation kann nicht an 12 Jahren gemessen werden.“ Die Kirche gehöre zu Potsdam, die Entscheidung, sie wieder aufzubauen, sei folgerichtig. Menschen, die meinen, sie solle nicht wieder aufgebaut werden, hätten sich entweder mit der Geschichte gar nicht beschäftigt oder sie kennen Potsdam nicht. Bjørn Franke wundert sich auch, wenn er hört, dass es Menschen gibt, die nur den Turm aufbauen wollen. Ein Versöhnungszentrum mit einer Kapelle für 100 Menschen mache keinen Sinn. Die 1950 eingeweihte Kapelle in der Turmruine sei auch nur ein Provisorium gewesen, solange bis das Kirchenschiff wieder aufgebaut wäre. Eine Kirche werde von Menschen für Menschen errichtet, ein Ort der Begegnung, der Versöhnung, des Gebets, des Gotteslobes. „Ein Turm ist keine Kirche“, betont Bjørn Franke, der sich wünscht, dass er als nun fast Sechzigjähriger die Garnisonkirche, die er nur als Ruine kennen gelernt hat, in absehbarer Zeit vollständig erleben darf.