Ein Versöhnungszentrum für 100 Menschen?

Gedanken eines Urpotsdamers zum Wiederaufbau der Garnisonkirche

Bild von www.garnisonkirche-potsdam.de: Die zerstörte

Die zerstörte Garnisonkirche mit neuem Namen Heilig-Geist-Kirche, Bild von http://garnisonkirche-potsdam.de/fileadmin/user_upload/Website/Das_Projekt/Geschichte/35.jpg

Bjørn Franke ist in Potsdam geboren und aufgewachsen. Er ist hier zur Schule gegangen und lebt bis heute in seiner Geburtsstadt. Als Gastronom erfährt er viel, hört ungefiltert, was die Menschen bewegt, was sie denken und sagen. Sein Vater war Diakon im Landesjugendpfarramt mit Sitz in der Charlottenstraße. Gewohnt hat die Familie in der Nansenstraße. „Die Garnisonkirche hat zu Potsdam gehört, genau wie die Heiliggeistkirche“, sagt Bjørn Franke. Es waren Ruinen, doch es war so, dass der Drei-Kirchen-Blick in seiner Einmaligkeit dennoch zu erleben war und selbstverständlich zur Stadt gehörte. Es waren sogar vier Kirchen, die Bjørn Franke von Sanssouci aus sehen konnte: „Garnisonkirche, Heiliggeistkirche, Nikolaikirche und die Erlöserkirche konnte man von da aus sehen“, erinnert sich der 59-Jährige. „Die Garnisonkirche war eingerüstet, die Rüstung stammte wohl aus Schweden“, so erinnert er sich. Die Finanzierung für den Wiederaufbau sei gesichert gewesen, hieß es damals.

Bild von garnisonkirche-potsdam.de: nach dem mißlungenen Sprengversuch des Turms

nach dem mißlungenen Sprengversuch des Turms, Bild von: http://garnisonkirche-potsdam.de/fileadmin/_processed_/csm_024_821d327371.jpg

Doch dann kam die Sprengung 1968. „Die Sprengung  war für uns Kinder spannend, mein eineinhalb Jahre jüngerer Bruder und ich wollten unbedingt hin.“ Der Vater wollte nicht, dass die Jungs dort allein hingingen, er kam mit und begleitete seine Söhne bis zur Absperrung. „Die erste Sprengung hat ja nicht geklappt“, so Franke, der sich sehr eindringlich vor allem daran erinnert, dass massenweise Vögel aus der Ruine flogen. „Wie bei Hitchcock, das  war gespenstisch. So hat der damals elfjährige Potsdamer die Sprengung der Garnisonkirche erlebt. Später begriff er die geschichtlichen Zusammenhänge, den Tag von Potsdam, den man löschen wollte. „Das war wie der Tag von Potsdam selbst ein propagandistischer Missbrauch“, sagt er. Geschichte, gleichgültig ob positiv oder negativ bewertet, wird nicht durch Auslöschung eines Gebäudes getilgt. Zumal die Garnisonkirche einen völlig anderen Hintergrund hatte, als eine halbe Stunde oder auch 12 Jahre, so dunkel diese auch gewesen sind. „Der Ort wurde missbraucht, der Tag wurde missbraucht, das Gebäude wurde missbraucht.“ Bjørn Franke ist sicher, dass weder der Soldatenkönig, noch Friedrich II. oder andere Preußenkönige den „kleinen Anstreicher“ überhaupt empfangen hätten. „Der wäre an den preußischen König überhaupt nicht herangekommen.“

 

„Der Bildungsverantwortung, die der Staat hat, wird diese Geschichte nicht gerecht“, ist Bjørn Franke überzeugt. Ein wichtiger Grund für ihn, die Kirche wieder aufzubauen und sich mit der Geschichte wirklich auseinanderzusetzen. „Eine ganze Nation kann nicht an 12 Jahren gemessen werden.“ Die Kirche gehöre zu Potsdam, die Entscheidung, sie wieder aufzubauen, sei folgerichtig. Menschen, die meinen, sie solle nicht wieder aufgebaut werden, hätten sich entweder mit der Geschichte gar nicht beschäftigt oder sie kennen Potsdam nicht. Bjørn Franke wundert sich auch, wenn er hört, dass es Menschen gibt, die nur den Turm aufbauen wollen. Ein Versöhnungszentrum mit einer Kapelle für 100 Menschen mache keinen Sinn. Die 1950 eingeweihte Kapelle in der Turmruine sei auch nur ein Provisorium gewesen, solange bis das Kirchenschiff wieder aufgebaut wäre. Eine Kirche werde von Menschen für Menschen errichtet, ein Ort der Begegnung, der Versöhnung, des Gebets, des Gotteslobes. „Ein Turm ist keine Kirche“, betont Bjørn Franke, der sich wünscht, dass er als nun fast Sechzigjähriger die Garnisonkirche, die er nur als Ruine kennen gelernt hat, in absehbarer Zeit vollständig erleben darf.

Mosaik_gesamt

„Der Mensch bezwingt den Kosmos“ von Fritz Eisel

Auf der Erdgeschoss-Ebene der Außenflächen des Bürogebäudes des Rechenzentrums sind auf drei der vier Seiten diese Groß-Mosaike angebracht. Diese Mosaiken zeigen in sozialistischer Gegenstands-Darstellung:

  • auf vier Mosaiken den idealisierten Arbeiter an Steuerungsgeräten,
  • auf einem Mosaik den idealisierten, da technisierten Bauen, jedoch nur implizied durch einen mähenden LPG-Mähdrescher,
  • auf sieben Mosaiken Planeten- und Sonnendarstellungen,
  • auf zwei Mosaiken Zitate: Einsteins spezielle Relativitätstheorie und ein Zitat von Karl Marx.

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel "Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Die weiteren Darstellungen lohnen durchaus näher betrachtet zu werden. Eine Mosaikfläche zeigt eine startende Rakete. Ist dies der untere Teil der typischen, sowjetischen und zivilen Sojus-Rakete? Dann sind jedoch die Booster falsch dargestellt, da die sowjetsichen Sojus, auch in den frühen Bauformen, mit der Spitze der Booster am Hauptkörper der Trägerrake anliegen. Der Kegel der Sojus-Booster-Spitzen ist nicht gleichförmig verjüngt und gar abgerundet, wie auf dem Mosaik dargestellt, sondern der geometrische Schwerpunkt des Kegels liegt an der Sojus-Trägerrakete an.

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Im Gegensatz dazu zeigen die Booster des US Space Shuttle Systems, mit deren Kegelspitze, den Mittelpunkt des eigenen Schwerpunktes. Sie liegen demnach nicht an einem anderen Körper, dort dem Treibstofftank, an. Damit ähnelt die Mosaik-Darstellung mehr dem amerikanischen Trägersystem des Space Shuttles. Jedoch sind deren Booster-Kegelspitzen oben nicht abgerundet.

Die stark sozialistisch-kommunistisch geprägte Persönlichkeit Fritz Eisels lässt eine Darstellung einer Rakete aus einem damals feindlich gesonnenen Blocksystem, an einem ansonsten stark sozialistisch geprägten Wandmosaik, das zudem in aller Öffentlichkeit ausgestellt ist, definitiv nicht zu. Auch fand der Erstflug des Space Shuttles 1978 erst deutlich nach der Fertigstellung des Rechenzentrums statt.

Warum verabschiedet sich Eisel hier von seiner ansonsten stark gegenständlichen Darstellung? Welchen Raketentypus wollte er darstellen?

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Wenn der Kegel der Boosterrakten-Spitzen weniger beachtet wird und die Booster-Länge zum zentralen Raketenrumpf als primären Anhaltspunkt für den Raketentypus dient, bietet sich nur ein einziger sowjetischer Raketentypus an: die im Jahr 2014 erstmals startende, russische Agra 5 kommt der Darstellung auf dem Mosaik nahe. Diese heute zivile Rakete, nahm die Ideen des Proton-Raketentypus auf. Der Entwurf der Proton stammt aus der ersten Hälfte der 60er Jahre und war für eine superschwere, militärische Interkontinentalrakete mit atomaren 30 bis 100 Megatonnen Sprengkraft vorgesehen (siehe Wikipedia). Wurde dieser Entwurf eines nicht zivilen Raketentypus von Eisel dargestellt?

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Dazu würden die weiteren Mosaiken passen. Denn diese zeigen ebenfalls drei militärisch geprägte Darstellungen.

Auf dieser Mosaik-Fläche werden zwei startende Suchoi SU 24 dargestellt. Dieser Flugzeugtyp ist ein taktischer Bomber der sowjetischen Luftstreitkräfte. Dieser Flugzeugtyp gehört zu Angriffs-Flugzeugen und stellt, wie die Klasse der Abfang-Jäger, keine Verteidigungs-Streitkräfte dar. Dass dieses Flugzeug als Vorbild für Eisels Mosaik diente, liegt an der sehr realitätsnahen Darstellung. Das Profil des Flugzeugs, wie auch der charakteristische Luftstromeintritt der Triebwerke, wurde genauestens getroffen. Entwickelt wurde dieser Bomber Mitte bis Ende der 60er Jahre, fällt damit mit der Entstehungszeit des Mosaiks zusammen.

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Weiterhin zeigt das Mosaik zwei Radar-Anlagen. Zum einen handelt es sich um eine Radaranlage, welche in ihrer Drahtgitterstruktur auffällt. Diese Darstellung ähnelt frappierend der „P14 Lena“ oder „Oborona“ welche, im militärischen Bereich, der Luft-Fernerkundung dienen. Deren früheste Anlagen wurden ab 1970 auf dem Gebiet der DDR in Neubrandenburg, Pragsdorf, Pritzwalk, Hagenow, Wismar und Altensalzwedel installiert. Die Entstehungszeit des Mosaiks fällt wieder mit der Installation dieser militärischen Anlagen zusammen.

Die zweite Radaranlagen-Darstellung ähnelt frappierend dem PWR-17, einem Höhensuchradar sowjetischer Bauart. Nur das die Radarschüssel nicht wie im Original senkrecht, sondern waagerecht dargestellt wird.

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

Die Darstellungen des Mosaiks sprechen eine stark militärische Bildsprache. Der Mensch tritt in den Hintergrund, ja wird auf zwei Bildflächen nur mit dem Rücken zum Betrachter gezeigt. Er wendet sich buchstäblich ab. Während die Technik, insbesondere militärische Technik, in den Vordergrund rückt. Wären da nicht die sieben sehr dunklen Bilder der Planetendarstellungen und die eine startende (militärische?) Rakete, was hätte der Name „der Mensch bezwingt den Kosmos“ mit dem Inhalt des Mosaiks gemein?

Diese Zurschaustellung des idealisiert-militarisierten Arbeiter- und Bauernstaates ist jedoch von eben den Gruppierungen Potsdams akzeptiert, die sich vehement gegen den Wiederaufbau der ehemaligen Garnisonkirche stemmen. Die Darstellung von militärischem Gerät des 18. Jahrhunderts, an der ehemaligen Garnisonkirche, ist aus deren Sicht Militarismus und daher grundsätzlich abzulehnen, während die militaristischen Darstellungen des Mosaiks am Rechenzentrum bedingungslos akzeptiert werden.

eine Anekdote zum Ende

Dieser Mosaik-Bildfries von Fritz Eisel ist inzwischen unter Denkmalschutz gestellt. Sollte das Rechenzentrum irgendwann einmal abgerissen werden, soll das Mosaik in Potsdam wieder aufgebaut werden, um sichtbar zu bleiben.

Interessant wird dann die Frage: werden alle Teile der Verkleidung des Erdgeschosses für den Wiederaufbau vorgesehen? Auch die Türen, welche mit den Raster-Nicht-Mosaikflächen versehen wurden? Und in welcher Art und Weise wird der Mosaik-Fries sichtbar gehalten? In der falschen Form, wie er 45 Jahre an der Dortu Straße sichtbar war? Oder in der Form, wie ihn Fritz Eisel konzipierte?

Denn zwei Mosaikfelder wurden vertauscht, eines davon sogar um 180° verdreht, montiert.

"Der Mensch bezwingt den Kosmos" von Fitz Eisel

falsch montiert: zwei Mosaik-Felder wurden miteinander vertauscht, das Linke sogar noch um 180° verdreht, angebaut.

Schließlich bleiben die Fragen offen:

Was haben sich die Bauarbeiter damals dabei gedacht?
War dies Unachtsamkeit, also ein Versehen?
Oder war dies Sachzwängen verschuldet, also eine Fehlplanung?
Oder war dies ein sichtbarer, stiller Protest?
Für den Bau dieses Gebäudes auf dem Grundriss der ehemaligen Garnisonkirche?

Rechenzentrum_01

Das Rechenzentrum

Das heute so genannte Rechenzentrum, in der DDR-Zeit hieß es „Datenverarbeitungszentrum“, gliedert sich in zwei große, würfelartige Baukörper. Das Bürogebäude befindet sich direkt an der Breiten Straße. Es ist fünf Geschosse hoch. Dieser Gebäude-Teil steht zum Teil über den Grundrissen des Kirchenschiffs der ehemaligen Garnisonkirche.

Datenverarbeitungszentrum, Bürogebäude

Im hinteren Bereich dieses Gebäudes befand sich die ehemalige Kantine. Dieser Kantinen-Anbau reichte bis weit auf den Bürgersteig der Breiten Straße hinaus, in etwa bis zum wieder aufgemauerten Portal der ehemaligen Garnisonkirche. Dieser Flach-Anbau des Bürogebäudes wurde bereits für die Baufeldfreimachung des Wiederaufbaus des Kirchturms der Garnisonkirche abgerissen.

Der Grundriss des Bürogebäudes wurde auf Freifunk-potsdam.de veröffentlicht.

Der von der Breiten Straße aus abgewendete Gebäudeteil, ein zweigeschossiger, ebenfalls würfelartiger Flachbau, ist mit einem schmalen Verbinder, welcher weit zwischen den beiden Gebäuden zurück springt, verbunden.

Datenverarbeitungszentrum, Technikgebäude

Rechenzentrum, Ansicht von der Mitte der Plantage Potsdam

Während im Brdunkle Gänge im Rechenzentrumeite-Straße-seitigen Gebäudeteil die Büros untergebracht waren, befand sich in der Mitte dieses Flachbaus das eigentliche Rechenzentrum. Ein zentraler, flacher und finsterer Saal ohne Tageslicht für die Rechenanlagen. Um diesen Saal herum sind wiederum Büro-Räume angeordnet. Am Ende der Nutzungszeit als Rechenzentrum waren  in diesem Saal nur noch wenige Serveranlagen. Große und dunkle Leere herrschte, denn Computer und Serveranlagen wurden in den 45 Jahren der Nutzung immer kleiner…

lange Flure um RechenzentrumAuch im eigentlichen Bürogebäude herrscht eine beklemmende Enge. Schmale Gänge, welche durch eloxierte Türen getrennt wurden, führen zu den einzelnen Büros, die wie Kaninchenställe aneinander gereiht sind.

In den Büros herrscht die Heizungsanlage: entweder an und brütend heiß, oder aus und kalt und zugig. Zudem der unentwegt laute Straßenlärm der Breiten Straße und Dortu Straße (letztere war zu DDR-Zeiten ebenfalls eine Hauptverkehrsstraße und nicht verkehrsberuhigt). Daher war und ist das Öffnen der Fenster, wegen andauernder Lärmbelästigung, nicht ratsam. Im Haus herrschte fast immer eine stickige und feuchte Luft. Bis heute…

Zwei unspektakuläre Gebäude. Wäre da nicht der Mosaikfries von Fritz Eisel.

Plantage_02

Fakten

Die drei großen Potsdamer Stadtplätze, die Plantage, Platz der Einheit (früher Wilhelmplatz) und der Bassinplatz sind die Platzräume, die im 18. Jahrhundert im Rahmen der Stadtplanung und der Bebauung, auf Veranlassung des Soldatenkönigs, als nicht bebaubare Flächen übrig blieben.

An allen drei Plätzen waren umfangreiche Pfahlgründungen für die angrenzenden Baufelder erforderlich. Das hängt mit dem eiszeitlich geprägten Untergrund zusammen, denn ursprünglich verlief ein Havelarm der später verlandete. Dieser Havelarm begann am Heiligen See, führte über die Positionen der heutigen drei Plätze und Endete an der Planitz. An verschiedenen Grundstücken waren daher Pfahlgründungen von zehn bis etwa vierzig Meter Tiefe nötig.

Durch den Stadtkanal, der die Plantage auf der Nordseite (Yorckstraße) und Westseite (Dortustraße) umfloss, entstand die historische Platzsituation. Der Stadtkanal diente zur Entwässerung der Umgebung. Er wurde so angelegt, dass er als Baumaterialtransportweg genutzt werden konnte. Daher waren die ersten Brücken, wie in den Niederlanden, hölzerne Klapp- oder Ziehbrücken.

Den südlichen Abschluss der Plantage bildet die Breite Straße. Der Östliche wird durch den frühere Lange Stall gebildet.

Auch die Garnisonkirche (1730-32) wurde auf Pfählen errichtet, nachdem die erste Kirche (1720-1721) hier wegen der Bodenverhältnisse eingestürzt war. Die Kirche und der Lange Stall, die heute beide nicht mehr existieren, prägten die Plantage architektonisch. Das repräsentative Portal des Langen Stalls ist erhalten.

Die Plantage musste mehrfach durch Aufschüttungen gesichert werden.

Die erste Bepflanzung des Platzes um 1720 mit Linden wie eine Plantage hat wohl zu seinem Namen geführt. Allerdings wuchsen die Bäume wegen des schlechten Bodens nicht richtig an. Später gab es unterschiedliche Gestaltungen des Platzes, weil weite Flächen des Platzes absackten und immer wieder aufgeschüttet werden mussten. Dabei wurde die Plantage zeitweise mit einer doppelten Lindenreihe eingerahmt. Im mittleren Bereich wurde er als Exerzierplatz genutzt.

1850 veränderte der Gartengestalter Peter Joseph Lennè die Plantage, indem er die vorhandenen Linden ergänzte, ein Teil war aufgrund der Bodenverhältnisse abgestorben. Auch ließ er Sträucher und Büsche pflanzen. Die Plantage wurde Grünanlage mit diagonalen Wegen und einem Andreaskreuz.

1900 erhielt der Platz eine Rasenfläche, das Andreaskreuz blieb. An dieser Stelle wurde ein Rondell angelegt, in dessen Mitte eine Bronzestatue Friedrich II. aufgestellt wurde, das den Zweiten Weltkrieg unzerstört überstand. 1924 erhielt die Plantage ein weiteres Denkmal, das „Semper-Talis-Denkmal“ für das 1. Garderegiment zu Fuß. Nach dem Krieg wurden beide Denkmale entfernt.

Auf der Südseite bestand einst eine direkte Anbindung des Platzgrüns an die kurfürstliche Lindenallee „Breite Straße“ zum Lustgarten, dem ältesten künstlerisch gestalteten Garten der Stadt.

In den offiziellen Dokumenten der Potsdamer Stadtplanung bis zum Mauerfall 1989 findet sich der Name „Plantage“ nicht in den Akten. Seit 1971 nimmt 3/5 des Platzes das Rechenzentrum in Anspruch.

Heute wird die Fläche zum Teil noch als Sport- und Freizeitfläche genutzt, an der Dortustraße, Ecke Yorckstraße befindet sich das 1991 errichtete Glockenspiel der Garnisonkirche, das mit Spenden nachgebaut wurde und wieder „Lobe den Herrn“ und „Üb immer Treu und Redlichkeit“ spielt.

Die Plantage wird in den nächsten Jahren umgestaltet und soll wieder ein lebendiger Stadtplatz werden. Die Neugestaltung orientiert sich am historischen Stadtgrundriss. Der Wettbewerb für einen Teil der Gestaltung der Plantage läuft.

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Die Plantage

Potsdams Plätze des Soldatenkönigs

Die drei großen Potsdamer Stadtplätze, die Plantage, Platz der Einheit (früher Wilhelmplatz) und der Bassinplatz sind Platzräume des 18.Jahrhunderts. Im Rahmen der zwei Stadterweiterungen auf Veranlassung König Friedrich Wilhelms I. blieben sie aufgrund der damaligen Stadtplanung und deren Realisierung als nicht bebaubare Flächen übrig.

An allen drei Plätzen waren umfangreiche Pfahlgründungen für die angrenzenden Baufelder erforderlich. Das ergibt sich aus dem eiszeitlich geprägten Untergrund. Ursprünglich verlief ein zweiter Havelarm über den Heiligen See und die drei heutigen Plätze bis zur Planitz – Insel. Dieser Havelarm verlandete später. An verschiedenen Grundstücken waren daher Pfahlgründungen von zehn bis etwa vierzig Meter Tiefe erforderlich.

Der Stadtkanal diente zur Entwässerung der Umgebung und wurde so angelegt, dass er als Baumaterialtransportweg genutzt werden konnte. Daher waren die ersten Brücken, wie in den Niederlanden, hölzerne Klapp- oder Ziehbrücken. Den Kanal begleiten beidseitig Straßen, die Grachten, wie sie auch in Potsdam zeitweise hießen.

Die Plantage

Durch den Stadtkanal, der die Plantage auf der Nordseite (Yorckstraße) und Westseite (Dortustraße) umfloss, entstand ihre Platzgestalt. Im Süden reicht sie bis an die Breite Straße und das Grundstück der ehemaligen Hof- und Garnisonkirche. Auf der Ostseite grenzt der Platz an ein ehemals militärisch genutztes Gelände, dem Langen Stall. Im Norden und Westen reicht die Plantage jeweils bis an die jeweiligen Straßen am Stadtkanal, der Yorck- und Dortustraße.

Die städtebauliche Raumbildung der Plantage

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Im Norden begrenzt den Platzraum optisch die Häuserfront der Wohnbebauung der nördlichen Seite der Yorckstraße. Im Osten bildete der ehemalige Lange Stall mit seinem hohen, etwa 170 Meter langen Satteldach die Platzwand. Im Süden gaben die Nordseite der ehemaligen Garnisonkirche der Plantage den optischen Rahmen und die Fassaden der Eckbebauung der Breiten Straße an der Breiten Brücke über den Stadtkanal. Mit den großen Brückenfiguren zählte auch die Breite Brücke zu den optischen Platzbegrenzungen. Auf der Westseite reicht der Platzraum bis an die Fassaden des Großen Militärwaisenhauses und ab der Spornstraßen-Ecke bis an die dreigeschossige Wohnbebauung, das ehemalige Rechnungshofgebäude und die Dortu-Schule.

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